ZEITGENÖSSISCHE GLASFENSTER

Vom liturgischen Geschehen abgesehen, prägt das Raumbild und die Atmosphäre einer Kirche nichts so stark wie ihre Fenster. Waren historische Fenster wesentlich eine Fortsetzung der christlichen Malerei, so bieten zeitgenössische Fenster eine stimmungsvolle Unterstreichung des liturgischen Charakters der Jahrhunderte alten Gebäuden.

Glasmalerei ist eine licht- und raumbasierte Kunst, die architektonische Situationen atmosphärisch und symbolisch auflädt oder sie überhaupt erst schafft. In den letzten Jahren haben Künstler aus ganz Deutschland, die mit Glasmalerei bis dahin wenig bis nichts zu schaffen hatten, dieses Medium für sich entdeckt.                                                                                    

Dabei ist Glasmalerei keine spezielle Technik oder künstlerische Gattung, sondern eher eine Situation, in die Malerei geraten kann. Sie tritt dann in Kontakt zur Architektur, zum Licht und zum öffentlichen Raum. Hier ist dann eigentlich alles anders als in Museum und Galerie oder beim Sammler. In dieser Situation gewinnt Malerei Wirkungsmöglichkeiten, die über das bloße Bild hinausgehen. Die Werke müssen sich dauerhaft, idealerweise für immer in einem Raum mit bestimmter sakraler oder profaner Zweckbestimmung behaupten, zudem unter den starren Bedingungen der Architektur und in einer perzeptiven Randstellung, in der sie eher beiläufig betrachtet werden, aus der heraus sie aber phänomenale Wirkung freisetzen können. Die traditionelle Fachsprache der Kunst hielt für diese funktionale Situation eines Kunstwerkes den Begriff „monumental“ bereit.

Aus der Kunststadt Leipzig, wo diese monumentale Kunstform mit Werken von Josef Albers, Johan Thorn Prikker und Anton Wendling in der Epoche der Klassischen Moderne eindrucksvolle Spuren hinterlassen hat, kommen auch gegenwärtig starke Beiträge zur Glasmalerei.